Ueber die Nacht, in der ich nicht schlief.

Nachts, wenn der Regen so stark faellt, frage ich mich, was du gerade tust. Ob du lachst, ob du Spass hast, wo du bist. In den Hauseingaengen stehen Menschen, die sich vor dem Regen schuetzen, warten, dass die Tropfen weniger und sie nicht nass werden. Vereinzelt Paare in den Schatten der Haeuser, sich festhaltend, umarmend, kuessend. Aus jedem Schatten waechst ein neues Lebewesen, dass sich erst zeigt, wenn ich es bemerke. Meine Schuhe, Socken, Hosenbeine, alles abwaerts der Knie ist nass und tropft still im Vergleich zum Regen. Man kann sich nicht an Schirme anlehnen. Was du bloss machst? Gerade erst die Wohnung verlassen, die Freundin und den Fremden verabschiedet, wenigstens eine bleibt heut Nacht nicht allein. Ob du allein bist? Ob du getrunken hast, so wie ich? Vielleicht spuerst du das Selbe seltsame Gefuehl in der Magengegend. Vielleicht nicht. Vielleicht ist es nur die Gewissheit, dass du nicht allein bist und ich schon. Ob du jemanden getroffen hast? Ob sie huebsch ist und ob du sie ansiehst, wie du mich noch vor Kurzem angesehen hast? Der Schirm haelt mich nicht. Die Schluessel sind so tief in der Tasche, ich finde sie nicht. Die ganzen schweigenden Fremden sind mir unheimlich. Warum sind sie hier? Vielleicht wirst du sie kuessen wie du mich gekuesst hast. Vielleicht geht es dir gut damit. Vielleicht fuehlt es sich richtig an diesmal. Vielleicht ist auch sie heut Nacht nicht allein. Der Schirm tropft. Ich wuensch es dir, aber mir wuensch ich es nicht.

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