Archiv für den Monat Mai 2014

Der Tag, an dem ich dich vermisse.

Der Gang ist bis auf mich leer. Kurz zuvor ist die Fahrstuhltuer vor meiner Nase wieder zu gegangen als waer sie nie offen gewesen. Ich stehe am Fenster. Es ist gross, der Ausblick winzig. Unten liegt die Auffahrt so nass und so grau und so selbstverstaendlich als waere sie schon immer dort. Der Fahrstuhl knackt als sich die Tueren in einem anderen Stockwerk oeffnen. Ich fuehle mich klein und hohl wie die kleinste der Matrjoschkapuppen, die ich als Kind hatte. Sie war vollkommen waldgruen mit buntem Glitzer, ohne Gesicht, und sie war so leicht wie dieser Schleier, den die Traenen ueber meine Augen legen. Ich sehe jemanden die Auffahrt hinunter laufen und wundere mich, dass dieser Mensch, da unten und so klein, mich in seinen Umarmungen verschwinden laesst. Als waere ich das Kaninchen und er der Hut. Als er um die Ecke biegt und verschwindet, verschwinde auch ich. Meine Schuhe quietschen ueber den Boden. Schmutzige, weisse Schuhe. Der Schluessel im Schloss und die Tuer direkt wieder zu. Der Gang bleibt leer und dunkel zurueck. Ganz hinten scheint die Sonne durch ein Fenster. Der rotleuchtende Lichtschalter flackert. Das Geraeusch der ins Schloss fallenden Tuer hallt kurz nach und dann ist Stille. Als waere nie etwas passiert.

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