Archiv für den Monat Februar 2014

Zu grell.

Der Blick auf den schmutzigen, ehemals weißen, nun bereits beige-grauen Schuhen, wie sie Schritt für Schritt weiter gehen, fast so, als würden sie das von allein tun. Der Schal verdeckt die Sicht auf den Rest des Körpers, nur die in schwarze Jeans gesteckten Beine tauchen bis zum Knie abwechselnd darunter auf. Dies ist der Moment, kurz bevor der Schmerz mit voller Wucht zuschlägt. Der Boden ist mit grauen Steinplatten gepflastert, von hinten dröhnt ein Bus die leicht ansteigende Straße hinauf. Der Moment wird eingeatmet, ausgeatmet, festgehalten, es pocht im Kopf, es ist zu hell, obwohl es schon dunkel ist. Die Ampel blendet, der Mond steht verschwommen am Himmel und leuchtet schwach mit blauem Licht. An jeder Ecke in den Gassen stehen fremde Menschen, oft Männer, oft betrunken oder anderweitig berauscht, Angst macht sich breit. Die Luft ist kalt und feucht, als stünde Nebel auf den Feldern. Die Verspannung zwischen den Schultern wird fester und schmerzt zunehmend, von Gasse zu Gasse wird es dunkler, leiser, unheimlicher. Es ist 18.42 Uhr. In der betretenen Gasse riechst es nach Vodka und Gras. Vor der Tür liegt noch die zerbrochene Glasflasche. Die Tür wird aufgeschlossen. Man sieht noch immer nur die schmutzigen Schuhe und den großen schwarzen Schal. Das Licht geht an, bohrt sich in die Schädeldecke wie eine Spitzhacke, es ist still. Der Schmerz klirrt und brummt und pocht von innen an die linke Schädelhälfte und man sieht den Boden gefährlich näher kommen. 

Die Decke über den Kopf, Ruhe, Dunkelheit. Der Schmerz bleibt. Pocht und bohrt und versucht die Schädeldecke zu sprengen. Der Schmerz bleibt bei mir.

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